Ironman Hawaii 2019

Die Tage davor

Ich reiste eine Woche vor dem Start auf die Big Island, nach Kona. Der Flug war lang, doch zum Glück funktionierte alles mit den Fluganschlüssen und auch das Velo kam unversehrt und pünktlich an. Nach einem schwül-warmen Aussteigen aus dem Flugzeug in Kona, holte mich meine Kollegin Daniela Schwarz ab. Sie nahm ebenfalls am Ironman teil und war 3 Tage vor mir angereist. Nun waren wir zu zweit und konnten uns gut ergänzen. In den ersten 2 Tagen wollte ich mit dem Velo die Strecke besichtigen, um einerseits zu schauen wie sich das Fahrradfahren mit dem starken Wind fahren lässt und andererseits zu schauen, wie sich meine Beine nach dem langen Flug anfühlen. Auch Schwimmen im glasklaren, warmen Meer war angesagt. Das Laufen erwies sich als Knacknuss und ich kam aufgrund der Hitze und der Luftfeuchtigkeit einfach nicht in die Gänge. Nichtsdestotrotz rückte der Wettkampf näher und ich absolvierte ab Donnerstag nur noch ein lockeres Schwimmtraining und am Freitag kein Training mehr. Dafür konnten wir die Wechselzone einrichten, das Velo parat machen etc.. Es verlief fast alles reibungslos und der Wettkampf konnte kommen.

Der Wettkampf

Die 3.8km Schwimmen:

Wie immer habe ich 3h vor dem Wettkampf meine obligaten Spaghetti gegessen. Kurz darauf habe ich auch schon mit dem Kreisen der Arme begonnen, um mich für das Schwimmen aufzuwärmen. Für den Start mussten wir bereits im Wasser ca. 60m nach vorne schwimmen. In dieser Situation war es bereits wichtig, eine gute Position im Startfeld zu finden. Leider war ich etwas optimistisch und stellte mich bei der Ideallinie ein, welche es mir erlauben würde, so nah wie möglich um die erste Boje zu schwimmen. Jedoch merkte ich schon bald, dass viele die gleiche Idee hatten. So war ich schon nach kurzer Zeit umzingelt von anderen Athleten und konnte mich nicht mehr aus dem Getümmel begeben. Sobald der Startschuss gefallen war, war das Gerangel dann auch während den ersten 500m dementsprechend gross. Nach der Hälfte der Schwimmstrecke, also bei 1900m, mussten wir gegen die Wellen schwimmen. Ich hatte zunächst ein gutes Gefühl, doch als wir beim zurückschwimmen die Wellen quer von hinten abbekamen wurde es mir plötzlich übel. Zu allem Übel mussten wir auch noch die Abgase von den Motorbooten, welche sich auf der Wasseroberfläche absetzten, einatmen. Die Kombination Welle und Abgase führte bei mir schliesslich zu Kopfschmerzen und Übelkeit. Dieser Umstand zwang mich, mich ein wenig ausserhalb des Feldes zu positionieren. Dieser Umstand hatten zur Folge, dass ich einerseits nicht mehr in der direktesten Linie schwamm und andererseits nicht mehr im Strom mitschwimmen konnte und somit auch nicht mehr vom Wasserschatten profitieren konnte. Zudem war die Kraft in den Armen nicht wie gewünscht vorhanden und ein Endspurt war somit nicht möglich. Ich hatte dann nur noch das Ziel, das Schwimmen hinter mich zu bringen. Ich war dann froh als ich nach 1h 01min aus dem Wasser stieg und das Velo fassen konnte.

Die 180km Velo:

Während den ersten Kilometern fühlten sich meine Beine nicht gut an und ich versuchte den Druck auf das Pedal zu finden. Bis zum Hawaii Wendepunkt fuhr ich verhalten – im Hinterkopf geisterte immer der Marathon in der Hitze herum, welchen ich als den härtesten Teil des Wettkampfes einschätzte. Während den letzten Bodenwellen hoch auf Hawaii hatte ich dann schliesslich den Druck gefunden, welchen ich trainiert hatte. Jedoch bekamen wir dann auch ein paar schöne Gegenwindstösse ab, welche einem Bewusst machten, dass es hier kein lockeres Radfahren geben wird. Eine gute Radzeit musste man sich erarbeiten und einiges an Kraft investieren. Der Seitenwind war auf dem Rückweg an einigen Stellen sehr stark. Dieser Umstand lies keine Unkonzentriertheit zu. In dieser Situation war ich froh, hatte ich ein Vorderrad mit einer geringen Felgenhöhe von 50mm. Wie bereits angetönt, kam auf den letzten 1h30min der Radstrecke ein Gegenwind auf, welcher nochmals einiges an Kraft abverlangte. Nach 5h14min beendete ich das Rad. Da ich mich auf dem Rad gut verpflegen und kühlen konnte, startete ich mit sehr guten Beinen in den Marathon.

Der Marathon:

Nach einem etwas zu langsamen Wechsel vom Rad auf das Laufen, ging es auf die Laufstrecke. Die Ungewissheit, ob ich mit der Hitze zurechtkomme, begleitete mich in den ersten Kilometern. Ich ging das Laufen daher locker an und versuchte mich zu kühlen, genügend zu trinken und essen. Als ich bemerkte, dass ich mit der Hitze umgehen und ich mich genügend kühlen kann (alle 2,5km), wurde ich immer wie schneller. Dies gab mir schliesslich die Sicherheit einen schnellen Marathon laufen zu können. Doch Geduld war gefragt und bis km 32 lies ich einfach meine Beine laufen und versuchte einen dynamischen, lockeren Schritt zu laufen. Als ich etliche Athleten überholen konnte und bei km 32 angelangt war, versuchte ich den Highway hoch zurück nach Kona nochmals zu puschen und schliesslich meine schnellste Marathonzeit in einem Ironman mit 3h13min zu laufen.

Dies hat mich sehr gefreut und ergab am Schluss eine Zeit von 9h39min. Für ein Top-Resultat müssen allerdings alle 3 Disziplinen hervorragend sein – da besteht bei mir sicherlich noch Trainingsbedarf. Ich bin aber sehr zufrieden, ein solides Rennen abgeliefert und meine persönliche Ironman Bestzeit verbessert zu haben.

Die Tage danach:

Nach dem Rennen konnten wir schöne Tage auf der Insel Kauaii verbringen. Diese Insel eignete sich sehr gut für Trekkingtouren und erste Versuche auf dem Surfbrett. Anschliessend liessen wir noch 2 Tage die Seele auf der Insel Honolulu baumeln. So sahen wir immerhin 3 der 137 hawaiianischen Inseln. Nun freue ich mich auf Zuhause und die dreiwöchige Trainingspause, welche es mir erlauben wird, mich vollständig zu erholen und für neue Ziele im Jahr 2020 bereit zu sein.

Um euch für eure Hilfe und Unterstützung im Jahr 2019 zu danken, möchte ich euch gerne zum Kürbissessen einladen. Dieses findet am 24.11. zwischen 10:00 Uhr und 17:00 Uhr statt. Ich würde mich freuen, wenn ihr vorbeischauen würdet! Bitte meldet euch bei mir an (graf_stefan@gmx.ch oder SMS an 0792294781).


Gruss Stefu.